Mittwoch, 24. September 2014

Housesitting I


Ganz langsam fahr ich mit Georgi die Zufahrtsstraße entlang. Vorbei an der Netzanlage, dem Shed und dem Cafe. Ganze 3 verdammte Monate habe ich mir diesen Moment herbei gesehnt und nun ist er da! Innerhalb der letzten 6 Monate hat sich auf der Farm viel getan, allerdings ist eins wie immer geblieben - die Gastfreundschaft. Nirgendwo sonst habe ich solche netten Menschen getroffen wie hier.
"Komm rein und schnapp dir erstmal ein Bier", sind die ersten Worte der Begrüßung. Als ob ich nie weggewesen wäre und nun fängt der Urlaub an. Ein riesiges Doppelbett für mich alleine, gutes Essen und unbegrenztes Internet.
Keine zwei Tage später brachen die beiden Farmbesitzer zu ihren Jahresurlaub auf und ließen mich mit unglaublichen Essensvorräten auf der Farm zurück. Kartoffeln, Unmengen an Gemüse, frisches Brot von den Nachbarn, eine Kühltruhe voller Fleisch und eine ganze Kiste meines australischen Lieblingsbiers. Jetzt werden sich viele Leute fragen, was ich dafür machen muss ...

Bob (Hund) und George (Kater) füttern.



Donnerstag, 28. August 2014

Briefkästen

Postboote müsste man sein. Statt wie bei uns auf dem Fahrrad geht es hier mit Motorad oder Geländewagen auf Verteilungstour. An den Briefkasten herangefahren, ein Griff zu den Briefen und ab in den Briefkasten. Ich behaupte mal in 99 % der Fälle ohne Fußweg. Keine Arbeit für Idioten! Ganz im Gegenteil, denn den Briefkasten zu finden ist wie zu Ostern die Suche nach den Ostereiern.
Nach nun knapp 30000 Kilometern hab ich so einiges gesehen und es ist ein Wunder das die Post überhaupt ankommt ...

















Freitag, 22. August 2014

Das Ende von Australien

Vier Tage und 1000 Kilometer später war es dann soweit - Ankunft in Geelong und das Ende meiner Australienreise. Bevor es zu meiner Endstation, dem House- bzw. Farmsittingjob ging, wartete allerdings die Besitzerin der Umzugskisten auf mich. Erst jetzt kramte ich den Zettel mit der Zieladresse aus der Tasche und musste sofort lachen. "Das dritte Haus auf der linken Seite mit einem weißen Zaun" stand auf dem kleinen gelben Notizzettel. Das ist typisch australisches Denken! Bereits bei der Abfahrt musste ich feststellen, dass die Straße mehrere Kilometer lang war und zudem mehr als nur zwei Enden besaß. Fast eine geschlagene Stunde kurvte ich Kreuz und quer durch die Straßen. Wirklich jedes zweite Haus hat ein weißen Zaun ... Irgendwann muss ich wohl durch mein hin und her gefahre aufgefallen sein ... Eine Wegbeschreibung nach der Farbe eines Zaunes ist nicht wirklich genau! Zu meiner Überraschung überreichte mir die Empfängerin der Kartons nochmals die vereinbarte Summe. Aber dies war kein Zufall, sondern wohl im geheimen zwischen Absender und Empfänger vereinbart.

Genau 21 Kilometer sind es zur Farm und so stoppte ich auf dem nächsten Parkplatz. 30000 Kilometer und nun ist alles vorbei. Ein trauriger aber auch schöner Moment, auch weil dir Farm wohl mein Zuhause in Australien darstellte. Im Schneckentempo ging es zur Farm ... Und dann war der Moment da, auf den ich seit April gewartet habe. Schon auf den ersten Blick war die Farm kaum wiederzuerkennen ...




Great Ocean Road II













Sonntag, 17. August 2014

Hostels in Australien

Wer kennt keine Horrorgeschichten über Hostels? Am Ende meines Australienaufenthaltes kann ich sie ALLE bestätigen! Dreckig, laut, teuer, verwanzt, verschimmelt oder einfach nur gefährlich! In 8 verschiedenen Hostels habe ich wirklich alles erlebt was man sich vorstellen kann: Stromschläge an Steckdosen, quetschende Betten, fehlende Fenster, Bedbugs, Giftgas aus der Klimaanlage, verschimmelte Bettbezüge oder Schimmelteppiche an den Wänden ... Mit viel Glück liest man dieses in Bewertungen im Internet und sucht sich ein anderes Hostel. Für Außenstehende kaum vorstellbar aber daran gewöhnt man sich ... wirklich wahr.

Der einzige wirkliche Mangel der unvorhersehbar ist, sind wohl die Bewohner des jeweiligen Hostels. Natürlich nicht alle aber oft genügen wenige damit sich weitere anschließen. Ein Beispiel aus South Australia:

Wochenende und eine riesen Party ist im gange. Man redet über den Job, schlechte Bezahlung und natürlich über das Hostel, welches viel zu teuer und dreckig ist. Wie bei jeder Party - viel Alkohol und Leute die diesen nicht vertragen. Noch vor 11 Uhr rennt die Erste zu den Toiletten und gibt das zurück, was zuviel war. Aber nicht wie sonst üblich in die Schüssel, sondern direkt davor, denn dann muss die dreckige Toilette ja geputzt werden. Keine 10 Minuten später will die Nächste aufs Klo gehen, bemerkt die "Hinterlassenschaften" am Boden zu spät und stapft mit Sandaletten einmal durch. Natürlich sauer, wird sie offenbar zum Chuck Norris und tritt die Klotür ein. Frauenpower sag ich nur! Durch die Zerstörungswut angesteckt rennen die ersten "Männer" los, treten den Klopapierspender auf, verteilen das Klopapier und pinkeln darauf. Als Krönung setzt es noch ein "Häufchen" AUF die Toilette! Wirklich unvergesslich und wohl nicht zu toppen, auch weil die Putzkraft erst zwei Tage später kam.

Wer denkt das das alles war, der irrt sich gewaltig:

In einem Hostel im Barossa Valley lernte ich Bewohner der besonderen Art kennen:

Jeden Morgen das gleiche Problem, der Wecker eines anderen Mitbewohners klingelt von 4 Uhr alle 5 Minuten, das mindestens eine halbe Stunde lang und nicht selten vergaß er ihm dann im Zimmer als er zum Duschen ging. So war eigentlich jeder im Zimmer froh, wenn Ruhe einkehrte. Erst um 6 Uhr ging der nächste Wecker, dicht gefolgt von einem verschlafenen Gelächter der anderen und der Frage "Gehst du wieder das Klo putzen?". All das wunderte mich erst nach dem o.g. Vorfall und dem immernoch dreckigen Toiletten. Aber auch bei genauerem hinschauen entdeckte ich keine Besonderheiten. Mit Klamotten unterm Arm ging sie zum Spind schnappte sich Zahnbürste und verschwand. Erst bei ihrer Abreise, also Wochen später, bemerkte ich, dass das garnicht ihr Spind war ...

Aber es traf hier wirklich kein Unschuldslamm, denn schon bei der Begrüßung im Hostel stach sie aus der Menge heraus. "... ich hasse sie alle! Scheiß Deutsche!", schallte es mir beim betreten des Zimmers entgegen. Im Raum verstummte das Gespräch, als ich die Tür öffnete und das übliche Begrüßungs-Geplänkel begann. Man muss keinen IQ von 150 haben, um zu ahnen was danach folgte. Neben "Wie geht's dir" und "Wie lange bist du schon in Australien" ist wohl "Wo kommst du her" die am häufigsten gestellte Frage. So dauerte es nicht mal 3 Minuten und ich war ihr neuer bester Freund ... aus Deutschland.

Das die junge Dame nicht der hellste Stern am Himmel ist merkte ich spätestens bei der gemeinsamen Weintraubenernte. Eine mittelgroßen Huntsman Spinne am Bein und ein Raupe auf der Schulter verursachte bei ihr ein knapp 10 minütigen Heul-Schrei-Krampf. Anschließend behauptete sie ernsthaft beinahe "gefressen" worden zu sein und das Leben nun mit anderen Augen sieht. Ich seh schon die Schlagzeil in der Zeitung: "Kanadierin wird von Raupe Nimmersatt gefressen"

Endlose Wochen zogen dahin bis sich ihre Abreise endlich näherte. Zuvor gab es allerdings ein neues Drama, denn jemand hat ihr Unterwäsche in Wert von über 300 $ geklaut und der Hostel-Krimi begann. Wilde Beschuldigungen wurden ausgetauscht, neue "Freundschaften" entstanden und am Ende wars jemand an den Niemand denken würde - ihr Freund. Aber wer würde schon vermuten, dass der eigene Freund die Unterwäsche der Freundin an perverse Backpacker verkauft oder es zumindest versucht? Offenbar nicht erfolgreich schmiss er sie anschließend in die Tonne und reiste zusammen ab ...

Ganz nach dem Motto eine Irre kommt selten allein, trat die Nächste ihren Dienst an ... Warum landen die Freaks eigentlich immer in meinem Zimmer? Schon bei der Anreise stellte sie sich mit ihrem Phantasienamen aus World of Warcraft vor. Eine kleine dickliche Person, mit Mode aus den 70ern und ebenso alten anhaftenden Geruch. Nach nicht mal 10 Minuten versuchte sie mich zu einer gemeinsamen Weiterreise zu überreden und lub mich zu einem Probeliegen in ihrem Auto ein. Bei Unterhaltungen nutzte sie ein Mix aus je 25 % deutschen bzw. englischen Wörtern und 50 % Tönen und Lauten (brumm brumm und so). :)
All das kam mir zwar recht sonderbar vor aber erst ein gemeinsamer Einkauf bei Coles öffnete mir die Augen. Ganz nach dem Motto "Lass uns Freunde sein", grüßte sie jeden in und vor dem Supermarkt mit einem "Hey! How are you?". Sichtlich irritiert suchten die meisten Leute das Weite. Als sie dann völlig aus dem Nichts ein Wutanfall bekam (mitten am Samstag IM Supermarkt) wusste ich wie sich eine Mutter mit schreienden Kind fühlen muss. Zurück im Hostel konnte sie sich angeblich nicht an den Vorfall erinnern, welcher nach ihrer Logik somit nie passiert ist. Da Medikamente teuer sind, wandte sie sich ab sofort exzessiv dem Alkohol zu. Den Höhepunkt erlebte ich am eigenen Leib mit, als sie kurz vor Mitternacht zurück in ihr Bett über mir kletterte. Einen Moment später lag sie röcheln im Bett und gab schließlich eine undefinierbare Masse frei. Aber statt sich oder das Bett zu säubern kuschelte sie sich in die Decke ein und schlief weiter - hat ja schließlich Körpertemperatur. Die nächsten Stunden wiederholte sich das Schauspiel mehrfach bis schließlich die Suppe am Schrank zum Boden lief. Lecker!